Musterung
22. September 2021

Regine Schumann

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Wie eine lapidare Häkeldecke im resteverwertenden Streifenlook ist Hitching up echte Handarbeit. Verwendet wurden fluoreszierende Plastilightschnüren. Während sich bei Tageslicht die haptische Oberflächentextur der Reliefstrukturen in den Vordergrund setzt, verwandelt sich das Objekt bei Schwarzlicht in ein wie ein batterieartig geladenes, energie-ausstrahlendes Feld. Farbe wird zum Phänomen. Zeitlose Abstraktion vermischt sich hier mit Assoziationen an Popkultur und Mode, Design und Futureästhetik.

Ausstellungsansicht: Musterung. Pop und Politik in der zeitgenössischen Textilkunst, 2020. Foto: Frank Krüger; courtesy: Kunstsammlungen Chemnitz

Regine Schumann

geb. 1961, Goslar, Deutschland, lebt und arbeitet in Köln, Deutschland

Wie eine lapidare Häkeldecke im resteverwertenden Streifenlook ist Hitching up echte Handarbeit. Verwendet wurden fluoreszierende Plastilightschnüre. Während sich bei Tageslicht die haptische Oberflächentextur der Reliefstrukturen in den Vordergrund setzt, verwandelt sich das Objekt bei Schwarzlicht in ein batterieartig geladenes, energie-ausstrahlendes Feld.
Die Künstlerin schichtet und kombiniert fluoreszierende Materialien in unterschiedlichen Farben zu dreidimensionalen Skulpturen, deren Grenzen zwischen Materialität und Immaterialität besonders unter Schwarzlicht verschwimmen. Bei Tageslicht interagiert die stromlinienförmige Mischung von transparenten und undurchsichtigen Oberflächen. Durch Schumanns Verwendung von fluoreszierendem Material verwandeln sich die Objekte in glühende, geheimnisvolle Gebilde, die durch die Dunkelheit strahlen und ungeahnt intensiv erlebbar werden.
Mit neuen Medien begann sie bereits Ende der 1990er Jahre architektonische Räume mit Farbraumkörpern zu erleuchten: »Da ich aus einer Bergarbeiterfamilie stamme, hat Licht in meiner Biografie einen ganz besonderen Stellenwert. Vielleicht so, als wollte ich nach all den Jahren Licht ins Dunkle bringen.« (Regine Schumann) Malerische Gesichtspunkte, orientiert an Goethes Idee der sinnlichen Farbwahrnehmung, bestimmen bis heute Farbzusammenstellung und Wirkung der Arbeiten von Regine Schumann. Der Einbezug bildhauerischer Prinzipien ist charakteristisch für ihre Arbeit und führt das Denken in Farben und Farbebenen in eine räumlich erfahrbare Plastizität über. Ihre Werke ermöglichen ein Eintauchen und ein grenzenloses Sich-Einlassen auf Farbe, Licht und Raum. Zeitlose Abstraktion vermischt sich mit Assoziationen an Pop-Kultur und Mode, Design und Futureästhetik.

Hitching up, 2001/2017, Installation, Plastiklightschnüre, Acrylglasstab, Drahtseile, Schwarzlicht, Dm 240 cm, Installation ca. 195 x 50 x 50 cm (variabel), Foto: Frank Krüger, courtesy Kunstsammlungen Chemnitz
Hitching up, Detail, Foto: Frank Krüger, courtesy Kunstsammlungen Chemnitz