Musterung
24. Februar 2021

Tobias Hantmann

Diskreter Körper (skizze neu), 2020

Die Methode seiner Malerei und die Wahl seiner Materialien fasziniert. Lediglich durch Wischen, Streichen oder Kämmen des Flors des Velourteppichs entstehen die Motive. Anschließend werden die modellierten Flächen durch die Verglasung »eingefroren«, wissend, dass das Bild ephemer bleibt und mit einer Handbewegung wieder verändert, gar gelöscht werden könnte.

(Links: Diskrete Körper II, Verloursteppich, Aluminiumrahmen, Acrylglas, 80 x 160 x 9 cm, Ausstellungsansicht: Musterung. Pop und Politik in der zeitgenössischen Textilkunst, 2020. Foto: Frank Krüger; courtesy: Kunstsammlungen Chemnitz

Tobias Hantmann

geb. 1976, Kempten, Deutschland, lebt und arbeitet in Düsseldorf und Berlin, Deutschland

Neben der intensiven Auseinandersetzung mit der Malerei und deren Grenzen beschäftigt sich Tobias Hantmann seit Beginn seiner künstlerischen Arbeit mit konzeptionellen Ansätzen von Kunstwerken sowie der Strömung der Konzeptkunst. Die Wahl seiner Medien irritiert, allen voran sein Umgang mit Velours-Teppichen, in die er lediglich durch das Wischen, Streiche(l)n und Kämmen des Flors komplexe, meist figurative Motive malt und zeichnet. Obgleich das ästhetische Resultat im
ersten Augenblick wie monochrome Malerei wirkt, ist die Wahl des Mediums bereits ein unausgesprochenes Versprechen auf das, was dargestellt werden soll.
Abschließend werden die modellierten Flächen durch eine Verglasung »eingefroren«, erwecken jedoch den Anschein, dass sie mit einer einzigen Handbewegung wieder verändert oder gelöscht werden können. Das reflektierende Licht, das vom Flor unterschiedlich stark zurückgeworfen wird, lässt die Bilder unangreifbar erscheinen. In seinen Werken thematisiert und hinterfragt Hantmann das Zusammenspiel von Inszenierung und Material und beleuchtet deren Bedingungen, stellt Fragen nach dem Status des Bildes, dem Verhältnis von Bildinhalt und Form. »Es gibt Maler, die sagen, dass ihnen die Motive unwichtig sind und diese nur Anlässe zum Malen sind, Gerüste oder Gefäße, um die Kunst anzubringen oder hineinzulegen, und ich schließe mich dem gerne an. Aber es ist eben doch auch so, dass das Motiv das ›Gesicht‹ des Bildes ist. Es ist diese unauflösbare Verbindung, die mich verrückt macht, die ich aufregend und geheimnisvoll finde.«
Tobias Hantmann fordert die visuelle Wahrnehmung heraus. Mit Licht und Schatten und viel Fingerspitzengefühl lädt er zu einem intelligenten Gedankenspiel über Wirkung und Wahrnehmung, Veränderung und Vergänglichkeit von Kunst ein.

Untitled (Blumen), 2019, Veloursteppich, Aluminiumrahmen, Acrylglas, 90 x 70 x 4 cm, courtesy: Tobias Hantmann
Block, 2019, Veloursteppich, Aluminiumrahmen, Acrylglas, 90 x 70 x 4 cm, courtesy: Tobias Hantmann