Musterung
22. September 2021

Tim Berresheim

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Der Künstler schafft Bilder einer Zwischenwelt, die das bisher Bestehende verlassen haben und sich im Neuen noch manifestieren wollen. Seit 2002 entstehen computergenerierte Bilder, für die er unter anderem auch installative Ausstellungspräsentationen inklusive Wandvorhänge, -tapeten sowie Editionen und Merchandise-Arti-kel entwickelt. Für die Ausstellung entsteht ein neues Bild als Wandtapete und eine Augmented Reality App.

Ausstellungsansicht: Musterung. Pop und Politik in der zeitgenössischen Textilkunst, 2020. Foto: Frank Krüger; courtesy: Kunstsammlungen Chemnitz

Tim Berresheim

geb. 1975, Heinsberg, Deutschland, lebt und arbeitet in Aachen, Deutschland

Unterschiedlichste ineinander verwobene Fadenbündel scheinen wie sich formierende Wollknäule durch den schwerelosen Raum zu schweben. Tatsächlich sind sie keine und stellen auch keine dar. Sie sind auch keine Computerkabel oder imitieren diese. Die dargestellten Dinge sind vielmehr Objekte einer Zwischenwelt, die ihr Referenzsystem noch suchen.
Tim Berresheims Werke sind das Produkt sehr präziser dreidimensionaler digitaler Arbeit. Der Künstler arbeitet mit einer Bildsprache, die sich ganz aus der digitalen Welt der simulierten Computerräume generiert und dennoch die Überprüfung aus einer analogen Wirklichkeit sucht. Für seine Bilder entwickelt der Künstler immer wieder neue technische Verfahren. So gehört das »Rendering« – die Darstellung und Berechnung von grafischen Inhalten auf Displays und Monitoren – zu den wichtigen kalkulierten Arbeitsprozessen des Künstlers. Digital erstellte Figuren funktionieren als dreidimensionale Leinwände, die er mit dem 3D-Grafikprogramm »Cinema 4D« durch lebensgroßes Ausdrucken auf der Fläche wieder in ein zweidimensionales Kunstwerk umwandelt. Mit der Simulation dreidimensionaler Strukturen komponiert er präzise künstliche Räume, in denen sonst unvereinbare Szenarien entstehen. Er entwickelt hyperrealistische Täuschungen.
Aspettatori nennt Berresheim die farbenfrohen Figuren des großen Wandbilds. Die Bezeichnung, die sich aus dem italienischen Verb »aspettare« (warten) entlehnt, zielt darauf, einen gegenwärtigen Zustand des Wandels zu bezeichnen, in denen sich unsere Gesellschaften gerade befinden. Die Figuren sind »Platzhalter« bzw. Allegorien, die mit immer anderen Texturen, Mustern und Strukturen überschrieben, tätowiert und gestaltet werden können.
Berresheim erweitert die Grenzen seiner bisherigen Medien wie Malerei und Fotografie und fordert sie heraus, die zweidimensionale Ebene in eine visuelle Skulptur zu transformieren. In einer vierten virtuellen Ebenen kommen auch Bewegungselemente hinzu. (Die Arbeit kann sowohl mit einer Anaglyph-Brille als auch einer App betrachtet werden.)

Aspettatori. AAWNK Geplauder Anaglyph, TB20/CNV-749, 2020, Harz und Pigmente auf Leinwand, Unikat, 385 x 485 cm, Foto: Frank Krüger; courtesy: Kunstsammlungen Chemnitz
Neben einer 3D-Perspektive ist die Arbeit auch in einer Augmented-Reality-Version zu sehen.
Blick auf die Wandarbeit Future Gipsy im Treppenhaus der Kunstsammlungen Chemnitz, Foto: Frank Krüger; courtesy: Kunstsammlungen Chemnitz
Rauschzeit A.D. 2017, TB17/UC-423, 2017, Harz und Pigmente auf Papier, Auflage: 3, 180 x 155 cm, courtesy: Tim Berresheim