Autor: Sabine Maria Schmidt

Nevin Aladağ

In ihren Arbeiten collagiert Aladağ verschiedene Textilien: von geknüpften Kelims über Schurwoll- und Seidenteppiche bis hin zu Sisal- und Wollteppichen. Ohne sich zu überlagern, stehen die einzelnen Teile gleichwertig nebeneinander und ergeben eine »soziale Struktur«. Es entstehen hypride Reliefs, deren Fragmente ihre Herkunft und Identität zur Diskussion stellen.

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Alexandra Bircken

Wo endet der Körper, wo beginnt die zweite Haut der Kleidung? Birckens Werke sind von dieser Auseinandersetzung mit dem Körper und seinen verschiedenen Hüllen definiert, den Grenzen von Innen und Außen, permeablen Membranen, Schnittflächen und Nahtstellen. Versehrtheit, Verfall und Selbstzerstörungsprozesse sind Dingen und dem menschlichen Körper eingeschrieben. Vor allem Motorradanzüge aus Unfällen, die sie im Internet erwirbt, sind immer wieder Material und Thema ihrer Skulpturen.

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Tim Berresheim

Der Künstler schafft Bilder einer Zwischenwelt, die das bisher Bestehende verlassen haben und sich im Neuen noch manifestieren wollen. Seit 2002 entstehen computergenerierte Bilder, für die er unter anderem auch installative Ausstellungspräsentationen inklusive Wandvorhänge, -tapeten sowie Editionen und Merchandise-Arti-kel entwickelt. Für die Ausstellung entsteht ein neues Bild als Wandtapete und eine Augmented Reality App.

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Shannon Bool

Das Motiv des Wandteppichs wurde am Computer designt und basiert auf einem Foto einer historischen Präsentation im Pariser Modehaus von Yves Saint Laurent. Bool arrangiert die modernistischen Figuren, die selbst bereits ein Bild von weiblichen Körpern sind, auf einer weiteren Projektionswand. Der Teppich wurde in Belgien mit einer hochtechnologischen Jacquard-Webmethode produziert.

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Edith Dekyndt

Es sind vor allem prozessuale Vorgänge, mit denen Dekyndt verschiedenste Textilien einer experimentellen Prüfung unterzieht. Gesponnene Fäden kann man auch wieder entziehen. Gewachsenes kann verfallen. Durch ihre Erforschungen gelingt es der Künstlerin, einen Sinn für das Fantastische und Nicht-Gesehene von Materialphänomenen zu entwickeln und poetisch zu vermitteln.

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Die Tödliche Doris

»Doris war ein Popstar ohne Körper. Ihre Präsenz bewies sie durch permanente Abwesenheit. Bedingt durch ihre Körperlosigkeit, fehlten ihr Charakter, Persönlichkeit, Identität und Stil. Für Doris selbst war das kein Problem. Denn über die Vorstellungen, die andere Menschen von ihr entwickelten, bildeten sich diese Eigenschaften und damit auch ihr Körper allmählich wie von selbst.« (W. Mueller, Mitbegründer der ehemaligen West-Berliner Künstlergruppe)

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Kyungah Ham

Auf den ersten Blick sind die poppigen, bewegten Textilbilder schlichtweg verführerisch. Bei genauer Musterung erkennt man die sorgfältig bestickten Oberflächen. Es sind nach Nordkorea geschmuggelte Motive, die sie dort von Handwerkern anfertigen und dann wieder hinausschmuggeln lässt. Ein Versuch eines Dialoges mit Künstler:innen und Handwerker:innen, die ihr Land nicht verlassen können.

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Tobias Hantmann

Die Methode seiner Malerei und die Wahl seiner Materialien fasziniert. Lediglich durch Wischen, Streichen oder Kämmen des Flors des Velourteppichs entstehen die Motive. Anschließend werden die modellierten Flächen durch die Verglasung »eingefroren«, wissend, dass das Bild ephemer bleibt und mit einer Handbewegung wieder verändert, gar gelöscht werden könnte.

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Erika Hock

Kombiniert sind verschiedene bedruckte Abschnitte von hunderten Metern Faden, die in mehreren Schichten übereinander drapiert sind und so im wahrsten Sinne des Wortes zu vielschichtigen Bildobjekten werden. Poppiges und die Salon-Ästhetik des Bauhauses sind Inspirationsquellen. Die Kunst möchte dabei nicht blickdicht sein, sondern sucht augenzwinkernden Kontakt zu Design und Architektur. Die große Wandarbeit und ihr kleiner Pendant sind eigens für die Räumlichkeiten der Kunstsammlungen Chemnitz enstanden.

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Magdalena Kita

Die Bilderzählungen von Kita funktionieren wie »Trojanische Pferde«, zeigen sie doch vieles, ohne direkt zu verraten, um was es geht. Paradiesische Gleichnisse, religiöse und sozial kodierte Geschlechterverhältnisse werden neu interpretiert. Das zeigt sie auf Vorhängen, Handtüchern oder Tierfellen, die sie Second-Hand erworben hat und die auf ironische Weise als Spiegebilder des aktuellen Way of Life gelesen werden können.

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Helen Mirra

»Webte mich seit letztem Juli durch alle verbliebenen Garne, die ich zur Hand hatte (zuvor von kleinen Spinnereien sowie von Hand-Spinnerinnen erworben) innerhalb und entlang anderer zufallsbestimmter Parameter. Wechselte jeden Monat zwischen einem mittelgroßen Webstuhl mit einer farbigen Kette (vertikale Fäden) und ungefärbtem Schuss (horizontale Fäden), und einem kleineren mit einer gefärbten Kette und farbigem Schuss… .« (Helen Mirra, 2019)

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Laure Prouvost

Laure Prouvost kreiert intermediale Installatio-nen, die sich zwischen Fiktion und Realität bewegen. Ob Film, Video, Sound, Skulptur oder Malerei, stets erzählen ihre Werke ausdrucksstarke Geschichten. Anders als ihren »gesprächigen« Video-Metallskulpturen, haftet ihren Wandteppichen eine eher mediative Ruhe an. Doch auch hier gelingt es, das Verhältnis von Bild, Sprache und Betrachter:innen dezidiert
zu zerlegen.

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Yelena Popova

Die Wandteppiche erinnern bewusst an die Grafik und Ästhetik russischer Avantgardistinnen. Tatsächlich sind die Motive abstrahierte Codes, metaphorische Entwürfe für Mausoleen stillgelegter Kernreaktoren. Die Unsichtbarkeit von Atomenergie metaphorisch ins Bild zu setzen, ist ein wiederkehrendes Thema ihrer Installationen.

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Puppies Puppies

Felt Dress besteht aus einem konfektionierten Kleid, das an einem Bügel an der Wand befestigt ist. Die Arbeit bezieht sich auf den ikonischen Filzanzug von Joseph Beuys, der auf dieselbe Weise präsentiert wurde. Die Edition ist nicht nur eine Hommage an den Düsseldorfer Künstler, der 2021 seinen 100. Geburtstag feiern würde. Sie wird von der Künstlerin mit einer queer-feministischen Lesart überschrieben. Zunächst hinter dem Pseudonym Puppies Puppies verborgen, legte Jade Kuriki Olivo vor kurzem ihre künstlerische Identität offen.

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Regine Schumann

Wie eine lapidare Häkeldecke im resteverwertenden Streifenlook ist Hitching up echte Handarbeit. Verwendet wurden fluoreszierende Plastilightschnüren. Während sich bei Tageslicht die haptische Oberflächentextur der Reliefstrukturen in den Vordergrund setzt, verwandelt sich das Objekt bei Schwarzlicht in ein wie ein batterieartig geladenes, energie-ausstrahlendes Feld. Farbe wird zum Phänomen. Zeitlose Abstraktion vermischt sich hier mit Assoziationen an Popkultur und Mode, Design und Futureästhetik.

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Sara Sizer

Seit Anfang der 2000er Jahre hat Sizer mit Bleichmitteln auf farbigen Stoffen neue Möglichkeiten der Malerei erkundet. So wählt sie roten Samt als Ausgangsmaterial, der in gefaltetem Zustand mit Bleiche bearbeitet wird. Die Bilder sind gewissermaßen Abdrücke ihrer selbst, wie Fotografien von Licht gezeugt. Sie repräsentieren nicht.

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Oliver Sieber

Jugendkultur, Erwachsenwerden, Phänomene von Gruppenzugehörigkeiten und Identitätsbildung sind Themen, die Sieber in seinen Por-traits auf ungewöhnliche Weise ins Bild setzt. Oft trifft er seine Motive des Nachts, auf der Straße, bei Konzerten oder in Clubs. Es sind vor allem die Details, die lesbaren Chiffren für Gleichgesinnte, die derart auch für den Betrachter:innen in den Fokus geraten.

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Heidi Specker

Niedlichkeit hat Konjunktur in Alltag, Popkultur und Kunst. Das T-Shirt ist beliebter Ausdrucksträger von Statements und Popästhetik. Die Katze ist als Inbegriff von »cuteness« eines der meist geteilten Motive in den sozialen Medien. Diese Welt im Bild kann eine optische Täuschung sein, die man auch mit diesem Portrait von Heidi Specker einer genaueren Musterung unterziehen sollte.

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Roland Stratmann

Wie kommen Menschen dazu, andere Lebewesen auszustopfen oder als Trophäen zur Schau zu stellen? Der Künstler stellt mit seinen Tierskupturen in menschlicher Gewandung Fragen nach dem sozialen Miteinander. Stratmann führt Tiere wieder aus berühmten Bilddarstellungen heraus und gibt ihnen mit weichen Kleidern eine zweite Haut. Diese Kleidungsstücke stehen metaphorisch auch für verschiedene transformatorische Prozesse.

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Rosemarie Trockel

In den späten 1980er Jahren stellte Rosemarie Trockel Strickbilder aus Wolle aus. Ihre damaligen Werke, ein Mix aus »ironischen Stücken gezähmter Weiblichkeit und häuslichen Fleißes«, haben breiten Einfluss auf jüngere Künstlergenerationen ausgeübt. »Schöpfung« ist für Trockel auch »Ausschöpfung« und ein gesponnenes Geflecht aus popkulturellen Referenzen.

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Dank

Wir danken für die freundliche Unterstützung allen beteiligten Künstlerinnen und Künstlern und Leihgebern. Besonderer Dank für die grafische Ausarbeitung und Umsetzung geht an Katja Stuke.